Vorfahren

Öhlmann – Öhlemann – Oelemann
Den jahrelangen Forschungen meines Vaters Kurt Oelemann verdanke ich diesen Blick zurück. An dieser Stelle mein herzlicher Dank!
Die Familie Oelemann stammt aus Horn im Fürstentum Lippe. Die zweitälteste Stadt des Duodez-Staates liegt an der nördlichen Abflachung des Teutoburger Waldes (berühmt geworden durch Tacitus Beschreibung der Varusschlacht). Erst ab 1673 führte die Kirchengemeinde Horn ein Tauf – und Sterberegister. Der älteste uns bekannte Öhlmann war Henrich (1638 – 1710).

Henrich Öhlmann
1710 ist im Sterberegister vermerkt: „der alte Öhlmann, 72 Jahre alt“. Nicht schlecht für die damalige Zeit, in der das Durchschnittsalter eines Menschen weit unter 60 Jahren lag. Demnach wurde er also wie Ludwig XIV. 1638 geboren, zehn Jahre vor dem Ende des 30jährigen Kriegs. Wahrscheinlich hat er 1671 eine geborene von der Lippe geheiratet. Bei der Taufe seines dritten Kindes Katharina wird Agathe von derLippe, Schwester der Mutter, als Patin genannt. Die „Öhlmannsche“ starb am13.8.1706.

Henrich Herman Öhlemann
Geboren im Mai 1672 (in diesem Jahr erblickte auch Peter der Große von Rußland das Licht der Welt), gestorben am 9.12. 1739. Er war der älteste Sohn des Henrich, noch vor Einführung der Kirchenbücher geboren, heiratete er am 27.4.1696 Elisabeth Laarmann. Sie starb am 10.7.1741. Aus dieser Ehe stammen 7 Kinder. Das sechste Kind war Simon Henrich.

Simon Henrich Öhlemann
Geboren wurde er am 24.7.1710. Wie seine Vorfahren wurde Simon Henrich Leineweber. Dreimal war er verheiratet. Zunächst 1736 mit Margarethe Distelmeier, dann mit Anna Ilsabein Weechen bereits ein Jahr später, schließlich mit Anna Magdalena Meier im Jahr 1774..
Mit seiner zweiten Frau Anna Ilsabein (1707 – 1773) hatte er acht Kinder. Unter den Horner Zeitgenossen trat sein Talent zutage, er konnte lesen und schreiben. Als Anna Ilsabein 1773 an der Schwindsucht starb, hätte er sich mit seinen 63 Jahren zur Ruhe setzen können. Aber es kam anders. Im selben Jahr verschied der Schulmeister des Dorfes Veldrum, ein gewisser Nevelin Meyer.

Für dessen Nachfolge war sein Sohn vorgesehen, aber der war noch zu jung und hatte die Lehrerausbildung noch nicht abgeschlossen. Darum schlug der Horner Pfarrer dem Ministerium in Detmold den Bürger Simon Oelmann vor (“ er hat sich eines ehrbaren Lebens beflissen, seine Kinder gut erzogen, auch seinen kleinen Enkeln die Buchstaben und die Anfangsgründe des Buchstabierens und Lesens selbst beigebracht“). Der Plan war, der alte Witwer sollte die Witwe Meyer heiraten und so den Platz für deren Sohn freihalten. Die Rechnung ging auf. Fast 10 Jahre übte der alte Mann das mühselige Amt aus. Conrad Meyer machte inzwischen das Examen und wurde schließlich tatsächlich nach Simon Henrichs Tod am 2.5.1785 dessen Nachfolger als Schulmeister.

Simon Henrich Oelemann
Simon Henrich Oelemann war der zweite Sohn des „Schulmeisters“. Er wurde am 8.2.1740 geboren und starb 50jährig an „Krebsschaden im Munde“ Verheiratet war er mit Christine Margarethe Wiedemeier (1743 – 1821). Viel mehr ist von diesen beiden nicht bekannt. Aber: Ihr zweiter Sohn, Johann Conrad, ist der Vorfahr der Wuppertaler Familie Oelemann.

Johann Conrad Oelemann
Geboren wurde Johann Conrad am Weihnachtstag des Jahres 1769. Erst mit 40 Jahren heiratete er, und zwar die Sophia Henriette Klöpping (1781 – 1873). 1824 kaufte er sich das Haus Nr. 133 im „Judenort“ – Vorbesitzer war der Schutzjude Abraham, der sich seit 1810 Sundermann nannte. Zum Haus gehörte ein Garten (250 qm) und zwei Ackerstücke von ca. 3300 qm. Der Wert des Hauses betrug 850 Thaler. Wieviel Euro das heute sind, kann ich nicht angeben.
Johann Conrads ältester Sohn Johann Conrad Simon (1814 – 1885) erbte das Haus, zog aber später nach Leopoldsthal, dem Geburtsort seiner Frau Elisabeth Stücker. Sein zweiter Sohn war Heinrich Conrad.

Heinrich Conrad Oelemann
Heinrich Conrad wurde am 26.9. 1823 geboren. Wie fast alle Oelemanns erlernte er das Weberhandwerk und begab sich dann auf Wanderschaft. Nach dem Pflichtdienst wurde er Stellvertreter des Colon Frevert und war somit Berufssoldat. Nach vier Jahren Dienstzeit schlug ihn sein Hauptmann zur Beförderung zum Corporal vor.

Mit „gnädigster Genehmigung Serenissimi“ (Serenissimus = Fürst eines Kleinstaats) wird er am 29.9. 1848 ernannt. Sein Hauptmann Hornkerott wollte ihn zum Sergeanten befördern, aber „Serenissimus“ lehnte zunächst ab. Erst aufgrund hervorragender Zeugnisse ernannte ihn der Fürst dann doch.
Am 7.10. 1851 heiratet Conrad das Nachbarskind Henriette Wilhelmine Steinmeier (5.10.1833 – 14.7. 1858), Tochter des Schuhmachers Johann Christoph Steinmeier und der Maria Louise Meier. Dafür benötigten sie die Erlaubnis der „hochfürstlichen“ Regierung. Ihr erstes Kind starb kurz nach der Geburt, ihr zweites war Henriette Hermine. Sie erblickte am 13.11.1853 das Licht der Welt.

Sohn Heinrich Gustav kam in Schötmar zur Welt. Da war Heinrich Conrad längst Gendarm geworden. Um Gendarm zu werden, mußte man mindestens 1.70 m lang sein, den unverletzten Ruf der Treue, der Ehrlichkeit, Nüchternheit und untadeligen Lebens genießen, verständlich schreiben und in den 4 Spezies rechnen können.
Mit 34 Jahren starb seine Frau Henriette (am 14.7.1858) an der Schwindsucht. Der Witwer mußte seinen Dienst versehen, trotz zweier Kinder, 5 und 2 Jahre alt. Er war sozusagen gezwungen, bald wieder zu heiraten. Am 8.2.1859 ehelichte er Wilhelmine Friederike Küstermann (die am 4.9.1899 starb).

Die arme Frau! Es sollte ein schweres Jahr für sie werden. Am 12. 11.1859 brachte sie den Sohn Konrad August zur Welt. Am 29. 11. 1859 starb ihr Mann, gerade mal 36 Jahre alt. Sie war allzu schnell Witwe geworden, mit zwei Stiefkindern (6 und 3 Jahre alt) und einem Säugling. Zum Glück fand sie in dem Barbier Johann Heinrich Ferdinand Graf, dessen Frau im März 1859 bei der Geburt des Sohns Friedrich gestorben war, einen neuen Lebenspartner. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor: Anna Graf.

Heinrich Gustav Oelemann
Heinrich Gustav wurde am 7.5. 1856 in Schötmar geboren. Auf wuchs er bei seinen Stiefeltern Graf in Lage mit seiner Schwester, seinem Halbbruder August und mit seinen Stiefgeschwistern Friedrich und Anna. Die Familie ersparte ihm das Waisenhaus. Bis zu ihrem Tode verband Gustav mit den Grafs eine enge Freundschaft.
Er wählte, wie sein Großvater Steinmeier, den Beruf des Schuhmachers. Nach der Lehre führte in die Wanderschaft nach Hannover. Der 20jährige trat dort in den Arbeiterverein ein und wurde Mitglied der „Liedertafel“. Gesang war seine Leidenschaft. Er hatte Glück, wurde vom Militär freigestellt und der „Ersatz-Reserve“ zugewiesen

Neben seiner Aufgabe als Präsident des „Orpheus“ engagierte sich Gustav in seiner Standesorganisation, war Kassenprüfer in der „Schuh- und Schäftemacher Zwangsinnung“. Er war 42, seine Frau 39, als ihnen ein zweiter Sohn geboren wurde: Wilhelm Arthur (5.10. 1898 – 22.1.1949). Auf Arthur folgte das letzte Kind Else (11.1.1901 – 16.3.1920).
Sohn Konrad Gustav war unterdessen Schreiner geworden. Er blieb Junggeselle. Im Weltkrieg wurde er bei Verdun schwer verwundet und starb am 8.12.1916 im Lazarett Heilbronn. Und die Töchter? Sie starben alle an Schwindsucht, zuerst Elfriede 1917, dann Else 1920. Arthur war seit 1916 Soldat, auch er wurde verwundet, zum Glück nur leicht. Er hatte die Handelsschule besucht und eine Lehre als Buchhalter wegen seiner Einberufung abbrechen müssen. Der Tod von zwei Kindern in drei Jahren und das Sterben seiner Jüngsten schwächten die Lebenskraft Gustavs. Sein Widerstand war gebrochen. Im Alter von 63 Jahren starb er am 1.7.1919 an Leberkrebs.

Arthur Wilhelm Oelemann
Mein Großvater Arthur, dem ich meinen dritten Vornamen verdanke, wurde am 5.10.1898 geboren. Er besuchte die reformierte Pfarrschule in Barmen, später die Handelsschule.

1916 wurde er einberufen und als Soldat erst am 24.2.1919 entlassen. Zunächst kehrte er zurück zu seiner Lehrfirma Moll. Im Mai 1920 wechselte er als Debitoren-Sachbearbeiter zu Schaeffer & Homberg in der Schützenstraße. Hier lernte er seine spätere Frau, Auguste Kreiskott (22.5.1898 – 6.12.1940) kennen. Gelernt hatte sie Floristin, später arbeitete sie jedoch in einem Juweliergeschäft. Nun war sie Vorarbeiterin im Lager von Schaeffer & Homberg. Fast sieben Jahre waren Arthur und Auguste verlobt, denn Arthur konnte erst heiraten, als seine Mutter, die er zusammen mit seiner Schwester Martha unterstützen mußte, 1927 starb. Am 28.9.1927 wurde Hochzeit gefeiert.
Am Neujahrstag 1929 erblickte ihr einziger Sohn August Gustav Kurt das Licht der Welt.
Auguste war eine kranke Frau, aber sie war mit einer begnadeten Phantasie begabt, schrieb Gedichte und Romane. Die Wohnung am Steinweg war viel zu klein, so zog man also um in eine bessere – in der Kiefernstraße, später in eine noch größere und schönere – in der Bromberger Straße 12. An diese Wohnung erinnere ich mich bestens. Beinahe jeden Sonntag besuchte ich zusammen mit meinem Vater die Frau, zu der ich „Oma“ sagte.

1932 wurde Arthur arbeitslos, blieb es aber zum Glück nicht lange. Ein Schulfreund, Erich Dinger, war Direktor bei der Reißverschlußfabrik RiRi. Dinger stellte meinen Großvater als Buchhalter ein.
Kurz nach Kriegsbeginn 1939 wurde Arthur eingezogen, stationiert in Polen und Rußland. 1945 kehrte er – zum Skelett abgemagert – nach Wuppertal zurück. Wie viele Fragen hätte ich an meinen Großvater Arthur! Seine Frau Auguste war 1940 verstorben. Laut ihrem erklärten Wunsch heiratete er am 16.5.1941 Augustes Schwester Hanni, meine „Oma“.
Bei RiRi hatte er den Posten als Hauptbuchhalter an einen Kollegen verloren. Nach kurzer Krankheit starb er am 21.1.1949, 50 Jahre alt. Ich habe meinen Großvater leider nicht kennengelernt.

August Gustav Kurt
Mein Vater, das Neujahrskind. Am 1.1.1929 wurde er geboren, besuchte ab 1934 die Volksschule Thorner Straße bis 1939, dann die Mittelschule Leimbacher Straße, später, nach der Zerstörung Barmens, die Wittener Straße. 1939 mußte er dem Jungvolk beitreten, 1943 der Reiter-HJ, allerdings nur für wenige Wochen. Wuppertal wurde ausgebombt.

1944 wurde er zum Ausheben von Panzergräben in Tegelen bei Venlo, Kaldenkirchen und Lobberich eingezogen (was für eine Arbeit für einen 15Jährigen!). Darauf folgte die kriegsbedingte Verpflichtung zur Arbeit an der Drehbank bei Schaeffer & Homberg.
1945 erlangte er die Mittlere Reife. Bei der Reichsbahn wurde er eingestellt. Verkehrslehrling. Aber immerhin die Aussicht, als Inspektoranwärter übernommen zu werden. Mein Vater, der Eisenbahninspektor? Undenkbar!
Sparmaßnahmen der Bahn hatten seine Entlassung zur Folge. Was für ein Glück, denn sein Traumberuf war immer schon Buchhändler gewesen. Schon als kleiner Junge hatte er mit seinem Vetter August Kreiskott das Verkaufen von Büchern spielerisch erlebt.
Elisabeth Rother ermöglichte ihm (dank Stiefmutter Hannis Engagement) seinen Traum und stellte ihn ein. . Die Buchhandlung Albert Röder führte damals ein bescheidenes Dasein als Untermieterin im Barmer Rathaus. Nach Frau Rothers Heirat mit Gert Steinweg zog die Firma um in den Werth 62, wo sie noch heute zu finden ist

1949 lernte Kurt Ingeborg Dörmann kennen, meine Mutter, geboren am 19.1.1931 in Nias (Indonesien). Mein Großvater mütterlicherseits war dort Missionar. In diesem Jahr, 1949 also, legte Kurt in Köln seine Buchhändlerprüfung ab.
Am 2. Mai !953 heirateten Ingeborg und Kurt. Ulrike, meine liebe Schwester, erblickte am 13.11. das Licht der Welt. Fast drei Jahre wohnte die junge Familie bei Kurts Stiefmutter, Tante Hanni, meiner „Oma“, in der Bromberger Straße. 1955 erfolgte der Umzug in die Hühnerstraße 26.
Am 7.10.1958 wurde ich geboren. Die Hühnerstraße 26 war meine erste Adresse.
Meine Mutter Ingeborg starb 1988. Sie war erst 57 Jahre alt. Kurt Oelemann lebte zum Glück noch bis zum 25.11.2014. Er war nicht nur mein Vater, er war obendrein mein bester Freund.FabPlayer_[20141215-104228-630]

Christian Friedrich Arthur Oelemann
Das bin ich. Geboren am 7.10.1958. Aber diese Geschichte ist ein schwebendes Verfahren. Ich schreibe darüber.