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Warten vorüber

Langsam aber stetig nähern sich die dunkelgrauen Wolken. Die leise Luft riecht muffig, und Herzkranke sollten sich auf ihren nächsten Infarkt vorbereiten. Wo sich soeben noch junge Leute einen rotweiß gesprenkelten Ball  zuwarfen, darauf bedacht, ihr Gesicht der Sonne entgegen zu recken, versammeln sich Mücken. Jeder, der es wagt, aus dem Fenster zu schauen, erkennt die  Gefahr. Ultrakurze – und Mittelwellen haben ihr Strahlen eingestellt. Auf  eingeschalteten Tefaus stört nur noch das Störbild.
Eine 56jährige Frau stirbt, während sie die Kaffeetasse zum Munde führt; der
braune Fleck auf dem Teppich taugt hervorragend als Mahnmal.
Nur die streunenden Hunde geben vor, nichts zu merken und erzeugen Unmengen an
Fäkalien auf dem Marktplatz.
Der erste Blitz schneidet eine erbärmliche Fratze aus der Finsternis.
Sekunden später rülpst der Himmel. Kinder wimmern mit wässrigen Augen; Eltern nehmen sich an der Hand und erwägen seit Jahren das erste Gebet.

Nach der Schauer setzen die jungen Leute ihr Ballspiel fort. Wenig später
können auch abgebrochene Minigolfpartien fertiggestellt werden – die Bahnen
sind wieder trocken, das Leben
eine Lust.

coe,1995